Wie ich zu meinem Blog kam oder „Das bisschen Haushalt“

Zum Geburtstag bekam ich eine Karte geschenkt, auf der ein Affe mit Laptop und Brille zu sehen war. „Es ist affig, immer nur zu arbeiten – man muss auch feiern können“, lautete die Überschrift.

Diese Karte bringt auf den Punkt, was ich bin: ein Workaholic. Ich liebe meinen Job und quäle mich nicht des Geldes wegen jeden Tag acht Stunden ins Büro (ja, es ist ein positiver Nebeneffekt und motiviert mich natürlich zusätzlich). Mir gefällt meine Tätigkeit; die Fima, für die ich arbeite, hat ein zauberhaftes Produkt, hinter dem ich voll und ganz stehe, und befindet sich derzeit in einer spannenden Phase der Firmenentwicklung. Außerdem bin ich stolz darauf, dass ich als Alleinerziehende von zweieinhalb Kindern meine Rechnungen selbst begleichen kann und nicht auf soziale Unterstützungen angewiesen bin, und dass es auch für Sport, Ausflüge und Reisen reicht.

Ich bestreite gar nicht, dass mein Lebensstil anstrengend ist. Oft schmeiße ich abends mit fast schon geschlossenen Augen die Waschmaschine an, bereite die Schulbrote für den nächsten Tag vor, obwohl ich die Wolke (mein superkuscheliges Bett mit Platz für die ganze Familie) schon deutlich nach mir rufen höre. Manchmal verfluche ich mich dafür oder nehme mir einen Tag frei, um in Ruhe die Wohnung zu putzen, aber im Grunde kann ich mir keinen anderen Lebensstil vorstellen.

Dann kam der Tag, an dem ich mir den Arm brach

Ronja hatte sich gewünscht, nach der Schule auf der Spielstraße hinterm Haus Inlineskaten zu gehen. Ich war begeistert. Ronja bevorzugte meist ruhigere Aktivitäten, meine Skates hatten zuletzt im vergangenen Sommer das Tageslicht gesehen und für Sport in Verbindung mit Mama-Kinder-Zeit bin ich immer zu haben. Also schmissen wir morgens schnell unsere Skates ins Auto, ich nahm mir früher frei und wir fuhren nach der Schule zur Teufelsseechaussee, einer Fahrradstraße im Grunewald. Mich überkamen kurz Zweifel, da ich morgens in der Eile Schützer und Helm vergessen hatte, aber wir wollten ja nur ein bisschen herumrollern.

30 Minuten später lag ich mit mehreren Schürfwunden und einer Welle im rechten Arm auf dem Boden, ärgerte mich über mich selbst und wartete auf den Rettungswagen. Familie und Freunde übernahmen die Betreuung der Kinder, während ich im Krankenhaus lag und eine Arbeitskollegin riet mir:

„Beantrage eine Haushaltshilfe bei deiner Krankenkasse. Die steht dir zu!“

Gesagt, getan. Gemeinsam mit meiner Mutter stöberte ich auf der Internetseite der Barmer GEK, die groß anpries, ihren Mitgliedern sogar über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus zu helfen. Das Standard-Anforderungsformblatt wurde schnell gefunden, aber alleinerziehend mit zweieinhalb Kindern ist selten Standard, also rief ich bei der Tag-und-Nacht-Hotline an. Eine freundliche Dame erklärte mir, ich müsse das Standard-Formblatt ausfüllen, und fragte mich ein paar Daten ab. Als ich auf die Frage nach meinem Arbeitsvolumen mit „Vollzeit“  antwortete, stutzte sie und erklärte mir, dass mir in dem Fall gar keine Haushaltshilfe zustehe, da ich ja auch sonst nicht zu Hause bin. Vor Empörung blieb mir fast die Luft weg: Weil ich normalerweise die Doppelbelastung mit Arbeit und Haushalt auf mich nehme, muss ich das jetzt, da ich beides nicht kann, den Haushalt trotzdem mit links schaffen.

Bekanntermaßen hat man im Krankenhaus viel Zeit zum Nachdenken. Bei mir wurde dieser Umstand dadurch verstärkt, dass ich wegen einer ungünstig gelegenen Schürfwunde zwei Wochen auf die eigentliche OP warten musste. Zwischen Büchern, Gesprächen mit meiner 89jährigen Bettnachbarin, Kreuzworträtseln – meine Kinder bewundern die wunderschöne Handschrift, die ich mir mit links angeeignet habe – und Besuchen meiner Lieben schoss mir immer wieder das Lied „Das bisschen Haushalt„* von Johanna von Koczian durch den Kopf, setzte sich als Ohrwurm fest und brachte mir in Form von Kopfkino die Idee zur Bilderstrecke „Das bisschen Haushalt“.

„Das kann ja nicht sein! Damit muss man an die Presse gehen“, schimpfte meine Arbeitskollegin. „Meine Freundin hat jeden Tag 6 Stunden die Haushaltshilfe. Und die hat sogar nen Mann.“

„Mit einem Mann braucht man manchmal eine Haushaltshilfe“, kommentierte eine kinderlose, verheiratete Freundin auf facebook, wo ich meinem Ärger Luft machte, und kassierte dafür viele Lacher.

„Aber deine Kinder helfen doch bestimmt im Haushalt mit“,

kommentierte eine andere Freundin.

Ich bin niemand, der lange an seinem Ärger festhält. Zum Glück habe ich Familie und Freunde, die mir unter die Arme greifen. Aber vielleicht erreicht meine Bilderstrecke Menschen, die in der Lage sind, Entscheidungen diesbezüglich zu treffen, die mir und anderen Alleinerziehenden in Zukunft helfen können.

Da es an solchen und anderen Kuriositäten im Alltag mit zwei bis drei Kindern nie mangelt, die es durchaus wert sind, weitergetragen zu werden, werde ich hier in den kommenden Monaten regelmäßig Erfahrungsberichte online stellen. Zusätzlich stellen wir unter „Betthupferl“ viele Gute-Nacht-Geschichten meiner Kinder und mir vor.

Viel Spaß auf meiner/unserer zauberhaften Seite!

 

*Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=NoZ050vCa8c

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