Meine Geburtstagsgeschichte für Ronja

Liebe Ronja,

 

seit elf Jahren nun bereicherst du mein Leben, zunächst als winzig kleine Maus, dann als Kleinkind und mittlerweile als junge Dame. So viele Dinge haben wir bereits gemeinsam erlebt und so viele Dinge werden in den nächsten Jahren noch hinzukommen.

Ich weiß, wie gerne du die von mir geschriebenen Geschichten magst, daher ist hier deine ganz persönliche Geburtstagsgeschichte:

 

Die Geburtstagsüberraschung

 

Fröhlich erwachte Eichhörnchen Ronja in ihrem Nest. Sie reckte und streckte sich und blinzelte, als der helle Sonnenschein durch das dichte Blätterdach blitzte. Gut gelaunt kletterte sie aus dem Nest und kletterte in Windeseile den Baum hinunter. Sie konnte es kaum erwarten, ihre Freunde zu treffen, denn sie hatte heute Geburtstag und war gespannt, welche Überraschungen sich ihre Freunde ausgedacht hatten.

Sie putzte sich ausgiebig das Fell und holte sich ein paar Frühstücks-Haselnüsse aus ihrer Vorratskammer. Während sie genüsslich frühstückte, lief Familie Maus an ihr vorbei. Sie waren ins Gespräch vertieft und zogen ein großes Kastanienblatt hinter sich her, auf dem Walnüsse zu einer Pyramide gestapelt waren.

„Guten wunderschönen Morgen!“, rief Ronja ihnen beschwingt zu.

Vater Maus, Mutter Maus und die drei Kinder Maus schauten kurz auf. „Guten Morgen, Ronja“, grüßte Vater Maus abwesend. „Wir haben leider keine Zeit, wir müssen schnell weiter.“ Und schon zogen die Mäuse mit ihrer Pyramide weiter.

„Sie haben es vergessen“, dachte Ronja traurig. Davon würde sie sich aber nicht den Tag verderben lassen. Sie hatte schließlich noch mehr Freunde. Sie machte sich auf den Weg zum Flussufer, um sich in dem herrlichen Nass ein wenig abzukühlen. Unterwegs traf sie Familie Wildschwein, die eilig mit Haselnüssen im Maul an ihr vorbei galoppierten.

„Guten wunderschönen Morgen!“, rief Ronja ihnen beschwingt zu.

„Guten Morgen, Ronja“, riefen sie ihr im Vorbeirennen zu. „Wir haben heute leider keine Zeit zu plaudern.“

„Auch sie haben es vergessen.“ Betrübt schlenderte Ronja weiter zum Flussufer. Dort angekommen flogen gerade die Spatzen mit Sonnenblumenkernen im Schnabel los und riefen ihr zu: „Wir werden dringend erwartet. Bis bald, Ronja!“

Enttäuscht ließ sich Ronja am Flussufer nieder. Die Freude an diesem Tag war ihr vergangen und sie fragte sich, ob es überhaupt jemanden gab, der heute an sie dachte. Es begegneten ihr im Laufe des Tages noch Herr Igel und Frau Reh, die Zwergenfamilie, Herr Fuchs, eine Raupe, zwei Kobolde, Familie Bär, ein Bienenschwarm, Familie Hase, eine kleine Elfe und ein einsamer Wolf, doch alle hatten es eilig und mussten schnell weiter, sobald sie Ronja erblickten.

Als die Sonne unterging, schlich Ronja sich bedrückt zu ihrem Baum zurück. Niemand hatte ihr gratuliert. Niemand hatte an sie gedacht. Sie bog gerade um die letzte Waldbiegung und – stand vor dem größten Geburtstagskuchen der Welt. Alle Bewohner des Waldes standen mit Sternchen sprühenden Wunderkerzen um den rieseigen Kuchen drumherum und sangen ihr ein Geburtstagsständchen. Als sie geendet hatten, ließen sie Ronja hochleben und trugen sie elf Runden um den Geburtstagskuchen.

„Liebe Ronja“, sprach die kleine Elfe mit glockenhellem Stimmchen. Sie schwebte in ihrem funkelndblauen Festtagskleidchen vor dem Geburtstagskuchen. „Wir gratulieren dir von ganzem Herzen zu deinem heutigen Geburtstag! Dies ist der größte, nussigste Geburtstagskuchen, den die Welt je gesehen hat.“ Sie wirbelte einmal ihren leuchtenden Sternenstab im Kreis und unter Ronjas Baum war die schönste Party vorbereitet. Laternen und Girlanden schmückten den Wald, Krüge mit Waldmeister- und Himbeersirup standen auf den plötzlich erschienenen Tischen und Tanzmusik schallte durch den Wald.

Begeistert ließ sich Ronja von der Party mitreißen. Sie feierten die ganze Nacht hindurch und drei weitere Tage und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute.

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