Testleser gesucht!

Bereits kurz nach meiner letzten Veröffentlichung habe ich angekündigt, dass demnächst ein neues Werk von mir erscheinen soll: Wolkenstaub, der Nachfolger meines Debüt-Romans Wurzelflügel.

Trotz Weihnachtsstress, Umzug, Brotjob und drei zuckersüßen Monstern schrieb ich also munter drauflos, entwickelte den Plot, die Figuren und schrieb die ersten Kapitel. Wie ich es schon von meinen ersten beiden Romanen kenne, schoben sich immer wieder andere Buchprojekte in den Vordergrund, die jedoch stichpunktartig festgehalten und wieder verdrängt wurden. Eins der Buchprojekte weigerte sich vehement. Immer wieder kam es hervor und flüsterte mir hinterhältig ins Ohr: „Ich bin doch das Buch, das du jetzt eigentlich schreiben möchtest. Schau her, ich habe sogar haufenweise Ideen mitgebracht, die du in mir verarbeiten kannst.“

Und ehe ich mich versah, stand der Name fest (rechtlich geprüft), der Prolog war fertig und das Buch war durchgeplant. Wolkenstaub sollte dennoch vorher beendet werden. Dann klopfte der kindle storyteller award heimlich an und sprach: „Am ersten Mai ist es wieder so weit, bis dahin muss dein Buch fertig sein!“

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass mein anderes Buchprojekt jenes war, mit dem ich beim Award teilnehmen möchte und ich hieb in die Tasten, um all die fertigen Bilder und Dialoge in den Computer zu bekommen. Was ich herausbekommen habe: zwei halbfertige Romane, die ich in den nächsten Monaten (Mai-Juni) veröffentlichen möchte. Um sicher zu gehen, dass ich bei beiden Romanen meinen Qualitätsansprüchen genüge, suche ich nun  je fünf Testleser, die folgende Fragen beantworten:

  • Ist der Inhalt in sich stimmig, gibt es logische Fehler?
  • Ist es zu langatmig, muss etwas gekürzt werden?
  • Werden Szenen nicht ausreichend beschrieben?
  • Gibt es nicht nachvollziehbare Sprünge zwischen Szenen?
  • Fehlt etwas?
  • Ist etwas zu viel?

Zu den Buchprojekten:

Wolkenstaub

Nachfolgeroman von Wurzelflügel, Familienroman, Protagonistin Stefanie macht sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen Schwester Julia

Waldesstille

Thriller, junges Pärchen im Campingurlaub des Grauens in Brandenburgs Wäldern

 

Wer sich für eins der beiden Bücher als Testleser bewerben möchte, ist herzlich eingeladen mir unter nadine@maerchengestoeber.de den Titel des gewünschten Romans zu schreiben.

Zum zeitlichen Ablauf:

Am 31.03. versende ich den ersten Teil zu Waldesstille zum Testlesen, am 21.04. folgt der Rest.

Am 19.05. versende ich den ersten Teil zu Wolkenstaub zum Testlesen, am 02.06. folgt der Rest.

 

Ich freue mich auf eure zahlreichen Zusendungen!

 

Bis bald

Nadine

Äpfel mit Knusperhaube und Orakeleintopf

Zwei Kriterien müssen Rezepte erfüllen, wenn sie auf Märchengestöber berühmt werden möchten:

  1. Sie müssen mit einer Geschichte daherkommen
  2. Das entstandene Gericht muss meiner Familie schmecken

Punkt 1 erfüllen theoretisch alle Rezepte: Wer keine Geschichte hat, bekommt eine. Der limitierende Faktor liegt deutlich bei Punkt 2. Nachdem jedes einzelne meiner Kinder von Anfang an ALLES gegessen hat (Knoblauch pur, Gemüse, Fisch etc.) entwickelten alle drei ab dem Kindergartenalter ein „Ich mag das nicht!“, „Dagegen bin ich allergisch!“ oder „Das habe ich doch noch nie gegessen!“. Meine größte Herausforderung beim Kochen ist daher, etwas zu finden, das nicht Spaghetti Bolognese ist oder zu mindestens 80% aus Zucker besteht. Hier lasse ich euch jeden ersten Freitag im Monat an meinen Erkenntnissen teilhaben.

 

Heute Teil I: Äpfel mit Knusperhaube

(4 Portionen)

Die Äpfel mit Knusperhaube sind das allererste Rezept, das ich auf Märchengestöber vorstelle, da diese Leckerei direkt aus meinem Herzen kommt. Sie verbinden mich mit meiner kleinen, großen Schwester Yvo und wann immer wir gemeinsam frühstücken, leuchten bei der Ideenfindung unsere Augen auf und wir rufen: „Äpfel mit Knusperhaube!“ Sie verbinden uns so sehr miteinander, dass das Rezept sogar auf der Collage landete, die Yvo mir anlässlich meines 30jährigen Daseins (nein, so alt bin ich natürlich nicht wirklich!) bastelte. Dabei war das Finden des Rezeptes völlig unspektakulär: Yvo ernährte sich vegetarisch, ich mich vegan. Ich war bei ihr zu Besuch, sie wollte mir eine Freude machen und stöberte in einer Zeitschrift mit vegan-vegetarischen Rezepten. Sie stieß auf das Rezept und wir waren so begeistert, als wir beim Essen saßen, dass wir uns vornahmen, die Äpfel mit Knusperhaube unbedingt eines Tages zu wiederholen. Es verging einige Zeit und es kam wieder ein Tag, an dem wir gemeinsam frühstückten. „Oh, weißt du noch…“, „… Äpfel mit Knusperhaube…“, raunte es in der Küche und Yvo suchte die Zeitschrift mit dem Rezept. Es blieb beim Suchen. Die Zeitschrift ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Wir rekonstruierten das Rezept aus dem Gedächtnis und bei fast jedem Frühstück stehen seitdem bei uns die Äpfel mit Knusperhaube auf dem Tisch.

Viel Spaß beim Nachbacken und dem Versinken in diesem Apfeltraum!

P.S.: Entgegen der obigen Behauptung, in unserer Familie werde gerne zuckerreduziert gegessen, gehört dieses Rezept zu den Ausnahmen. Sorry! Ich bin auch nur ein Mensch. ?

P.P.S.: Vermutlich hatte die Schlange zum Verführen von Eva und Adam im Paradies Äpfel mit Knusperhaube gebacken.

P.P.P.S.: Vielen Dank an den Erfinder und Herausgeber dieses großartigen Rezeptes!

Zutaten:

4 Äpfel

1 TL Kardamom

100 g Haferflocken

100 ml Hafermilch

100 g Zucker

100 g Margarine

 

Zubereitung:

Den Backofen auf 180 °C einstellen. Die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in Spalten schneiden. Ein Backblech einfetten oder mit Backpapier auslegen und die Apfelspalten flächendeckend darauf verteilen und mit dem Kardamom bestreuen. Die restlichen Zutaten in einen kleinen Topf geben und unter Rühren erwärmen, bis alles geschmolzen, aufgelöst und gleichmäßig verteilt ist. Die Haferflockenmasse über den Äpfeln verteilen und alles zusammen für 20 Minuten in den Backofen stellen.

Tipp: Schwester zum Frühstück einladen (in Ermangelung einer Schwester geht auch die beste Freundin) oder es sich mit den fertigen Äpfeln und dem Lieblings(-hör-)buch in der Leseecke gemütlich machen!

 

 

Heute Teil II: Orakeleintopf

(4 Portionen)

Tahira, die Junghexe, war aufgeregt. Heute Nacht sollte ihre Hexenprüfung abgehalten werden, doch je näher sich der Stundenzeiger auf den Abend zubewegte, desto nervöser wurde sie. Sie befürchtete, in der Prüfung alles zu vergessen, was sie in den letzten 777 Jahren gelernt hatte.

„Komm her, mein Kind“, rief die alte Großmutter Salara aus der Küche. Sie rührte in einem großen Kessel, aus dem große, rote Blasen aufstiegen, mit einem großen Holzlöffel. „Ich habe diesen Orakeleintopf für dich gemacht. Nun rühre 99x rechtsherum und dann einmal linksherum, so wirst du sehen, was dir die Zukunft bringt.“

Tahira tat, wie ihr geheißen. … 95 … 96 … 97 … 98 … 99 – nun rührte sie linksherum und so wie sie den Kreis mit dem Holzlöffel vollendet hatte, erschien ihr lachendes Gesicht im Kessel. Da wusste sie, dass sie die Prüfung bestehen werde und konnte seelenruhig mit ihrer Familie den Eintopf verspeisen.

Zutaten:

500 g Hähnchenfilet

1 Zwiebel

1 Zucchini

2 EL Öl

Pfeffer, Salz

200 ml Hühnerbrühe

500 g passierte Tomaten

2 Dosen Mais (425 g)

100 g Kirschtomaten

100 ml Schlagsahne

1 TL Curry

½ TL Paprika edelsüß

 

Zubereitung:

Die Zwiebel schälen, die Zucchini waschen und beides in kleine Würfel schneiden. Das Hähnchenfleisch waschen und in Streifen schneiden. Das Öl in einer großen Pfanne erhitzen, die Hähnchenstreifen rundherum goldbraun anbraten, die Zwiebeln und Zucchini kurz mitdünsten, dann würzen. Brühe, passierte Tomaten und Mais in die Pfanne geben, umrühren und alles zugedeckt 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Die Tomaten waschen und halbieren und mit der Sahne in die Pfanne geben. Alles zusammen 5 Minuten weitergaren und dann mit Salz, Curry und Paprika abschmecken.

 

Guten Appetit!

Gewinner von „Wurzelflügel“

Wurzelflügel, Roman, Storyteller

Yippieh! Sie stehen fest: Die fünf Gewinner von je einer Ausgabe „Wurzelflügel“.

Gewonnen haben: Katarina, Caroline, Kerstin, Carola und Kerstin. Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet natürlich auch noch per E-Mail benachrichtigt.

Für alle, die nicht gewonnen haben und trotzdem neugierig sind, gibt es hier den Link zu Wurzelflügel.

Ausflugtipps August 2017

Früher war alles besser. Der Sommer zum Beispiel. Das Beste, was man tun kann, ist demnach, die Sachen zu packen und in wärmere Gefilde zu verschwinden.

Da das aber nicht immer möglich ist, kommen hier ein paar Tipps, was sich in Berlin im August trotzdem unternehmen lässt:

Zunächst möchte ich allen Berliner Kindern den Superferienpass (sfp) wärmstens ans Herz legen. Meine Kinder bekommen ihn jedes Jahr seit sie 5 Jahre alt sind. Mit dem sfp können deine Kinder in den Ferien jeden Tag bis 14 Uhr kostenlos in alle Schwimmbäder der Berliner Bäder Betriebe bzw. ganztags in die Freibäder. Weiterhin gibt es viele kulturelle, sportliche und andere Veranstaltungen, zu denen sfp-Besitzer (und teilweise ihre Begleitpersonen) vergünstigten oder freien Eintritt bekommen.

Zeitreise ins Jahr 1517 im FEZ

Ein kleines mittelalterliches Dorf will sich in eine unabhängige Stadt umwandeln. Durch den Zeitreisetunnel gelangen die Kinder 500 Jahre in die Vergangenheit und können für einen Tag – oder die kompletten Sommerferien – das damalige Leben miterleben. Bei Dauerregen wird das Event nach drinnen verlegt.

Wer: Kinder von 5-14 Jahren (mit oder ohne Eltern)

Wann: in den Sommerferien tägl. 10-16 Uhr (Sa/So/Feiertag: 12-17 Uhr)

Kosten: 3,- € (mit Superferienpass 2,- €)

Wo: Straße zum FEZ 2, 12459 Berlin

Berlin lacht

Internationales Straßentheater-Fest mit vielen Artisten, Clowns, Musik, Feuerkünstlern etc.

Wer: alle

Wann: tägl. bis zum 20.08. 13:00 Uhr – 21:00 Uhr

Kosten: frei

Wo: Washingtonplatz am Hauptbahnhof

1. Lange Nacht der Astronomie

In dieser Nachte bevölkern Teleskope den Gleisdreieckpark und es werden viele Aktionen (Sternbildkunde, Basteln) rund um die Astronomie für Familien angeboten. Aber auch an anderen Tagen bieten die Planetarien ein tolles Programm mit Geschichten unter dem Sternenhimmel und vieles mehr.

Wer: Kinder, Familien

Wann: 05.08., 17:00 Uhr – 24:00 Uhr

Kosten: frei

Wo: Park am Gleisdreieck

Kinderuniversität: Kleines Baby – vollkommender Mensch?

Die Charité lädt zu ihrer Vorlesungsreihe „Wie lebt mein Körper – schlaue Antworten für schlaue Köpfe“ ein. Wer die Hälfte aller Vorlesungen der Reihe besucht erhält ein Diplom „Spezialist für den Körper“. Die Anmeldung für die einzelnen Vorlesungen erfolgt hier

Wer: Kinder von 8-12 Jahren (mit oder ohne Eltern)

Wann: 11.08., 14:00 Uhr – 15:15 Uhr

Kosten: 2,50 €

Wo: Charitè – Campus Virchow Klinikum (Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin), Mittelallee 10, Hörsaal 6

Vom singenden, springenden Löweneckerchen

Märchenstunde im Ökowerk am Teufelssee. Das Ökowerk lässt sich auch außerhalb der Märchenstunde gut besuchen. Hier gibt es einen Barfußpfad, einen Teich zum Beobachten seiner Bewohner und viel Lehrreiches über unsere Natur.

Wer: Kinder, Familien

Wann: 27.08., 13:00 Uhr – 14:00 Uhr oder 14:30 Uhr – 15:30 Uhr

Kosten: 2,00 €

Wo: Ökologische Bildungs- und Tagungsstätte, Teufelsseechaussee 22, 14193 Berlin

und wenn man schon mal da ist:

Wasserwerkstatt

Physikalische Experimente rund um das Wasser.

Wer: Kinder, Familien

Wann: 27.08., 13:30 Uhr – 17:30 Uhr

Kosten: Erwachsene 4 € / Kinder 3 € / Familien 10 € / Materialpauschale 2 €

Wo: Ökologische Bildungs- und Tagungsstätte, Teufelsseechaussee 22, 14193 Berlin

Museum der Stille

Für ganz verregnete Tage empfehle ich euch einen Besuch in dem Museum der Stille. Dieses Museum bietet einen Ruhepol in dem immer hektischer werdenden Alltag, angelehnt an das Konzept der Kunst an „ruhigen“ Orten wie zum Beispiel Kirchen.

Wer: alle

Wann: Di – So, 14:00 Uhr – 19:00 Uhr

Kosten: frei

Wo: Linienstraße 154A, 10115 Berlin

Meine Geburtstagsgeschichte für Ronja

Liebe Ronja,

 

seit elf Jahren nun bereicherst du mein Leben, zunächst als winzig kleine Maus, dann als Kleinkind und mittlerweile als junge Dame. So viele Dinge haben wir bereits gemeinsam erlebt und so viele Dinge werden in den nächsten Jahren noch hinzukommen.

Ich weiß, wie gerne du die von mir geschriebenen Geschichten magst, daher ist hier deine ganz persönliche Geburtstagsgeschichte:

 

Die Geburtstagsüberraschung

 

Fröhlich erwachte Eichhörnchen Ronja in ihrem Nest. Sie reckte und streckte sich und blinzelte, als der helle Sonnenschein durch das dichte Blätterdach blitzte. Gut gelaunt kletterte sie aus dem Nest und kletterte in Windeseile den Baum hinunter. Sie konnte es kaum erwarten, ihre Freunde zu treffen, denn sie hatte heute Geburtstag und war gespannt, welche Überraschungen sich ihre Freunde ausgedacht hatten.

Sie putzte sich ausgiebig das Fell und holte sich ein paar Frühstücks-Haselnüsse aus ihrer Vorratskammer. Während sie genüsslich frühstückte, lief Familie Maus an ihr vorbei. Sie waren ins Gespräch vertieft und zogen ein großes Kastanienblatt hinter sich her, auf dem Walnüsse zu einer Pyramide gestapelt waren.

„Guten wunderschönen Morgen!“, rief Ronja ihnen beschwingt zu.

Vater Maus, Mutter Maus und die drei Kinder Maus schauten kurz auf. „Guten Morgen, Ronja“, grüßte Vater Maus abwesend. „Wir haben leider keine Zeit, wir müssen schnell weiter.“ Und schon zogen die Mäuse mit ihrer Pyramide weiter.

„Sie haben es vergessen“, dachte Ronja traurig. Davon würde sie sich aber nicht den Tag verderben lassen. Sie hatte schließlich noch mehr Freunde. Sie machte sich auf den Weg zum Flussufer, um sich in dem herrlichen Nass ein wenig abzukühlen. Unterwegs traf sie Familie Wildschwein, die eilig mit Haselnüssen im Maul an ihr vorbei galoppierten.

„Guten wunderschönen Morgen!“, rief Ronja ihnen beschwingt zu.

„Guten Morgen, Ronja“, riefen sie ihr im Vorbeirennen zu. „Wir haben heute leider keine Zeit zu plaudern.“

„Auch sie haben es vergessen.“ Betrübt schlenderte Ronja weiter zum Flussufer. Dort angekommen flogen gerade die Spatzen mit Sonnenblumenkernen im Schnabel los und riefen ihr zu: „Wir werden dringend erwartet. Bis bald, Ronja!“

Enttäuscht ließ sich Ronja am Flussufer nieder. Die Freude an diesem Tag war ihr vergangen und sie fragte sich, ob es überhaupt jemanden gab, der heute an sie dachte. Es begegneten ihr im Laufe des Tages noch Herr Igel und Frau Reh, die Zwergenfamilie, Herr Fuchs, eine Raupe, zwei Kobolde, Familie Bär, ein Bienenschwarm, Familie Hase, eine kleine Elfe und ein einsamer Wolf, doch alle hatten es eilig und mussten schnell weiter, sobald sie Ronja erblickten.

Als die Sonne unterging, schlich Ronja sich bedrückt zu ihrem Baum zurück. Niemand hatte ihr gratuliert. Niemand hatte an sie gedacht. Sie bog gerade um die letzte Waldbiegung und – stand vor dem größten Geburtstagskuchen der Welt. Alle Bewohner des Waldes standen mit Sternchen sprühenden Wunderkerzen um den rieseigen Kuchen drumherum und sangen ihr ein Geburtstagsständchen. Als sie geendet hatten, ließen sie Ronja hochleben und trugen sie elf Runden um den Geburtstagskuchen.

„Liebe Ronja“, sprach die kleine Elfe mit glockenhellem Stimmchen. Sie schwebte in ihrem funkelndblauen Festtagskleidchen vor dem Geburtstagskuchen. „Wir gratulieren dir von ganzem Herzen zu deinem heutigen Geburtstag! Dies ist der größte, nussigste Geburtstagskuchen, den die Welt je gesehen hat.“ Sie wirbelte einmal ihren leuchtenden Sternenstab im Kreis und unter Ronjas Baum war die schönste Party vorbereitet. Laternen und Girlanden schmückten den Wald, Krüge mit Waldmeister- und Himbeersirup standen auf den plötzlich erschienenen Tischen und Tanzmusik schallte durch den Wald.

Begeistert ließ sich Ronja von der Party mitreißen. Sie feierten die ganze Nacht hindurch und drei weitere Tage und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute.

Robin und der Pudding

Robin und der PuddingDie Sonne strahlte vom Himmel, als Robin heute von der Schule nach Hause kam. Das Essen war gerade fertig und bereits, als er das Haus betrat, roch er, dass es zum Nachtisch Vanille-Pudding geben werde.

Nach dem Mittagessen holte seine Mutter die große Schüssel Vanille-Pudding und drei Schüsseln auf den Tisch: Eine für sich selbst, eine für Robin und eine für seine Schwester Ronja, die heute nach der Schule mit einer Freundin verabredet war. Sie befüllte die Schüsseln gleichmäßig und stellte die für Ronja sorgfältig verschlossen in den Kühlschrank.

Als sie den Pudding gegessen hatten, ging die Mutter hinaus, um in dem Garten zu arbeiten, und Robin in sein Zimmer, um Hausaufgaben zu machen. Er setzte sich an den Schreibtisch und schlug das Mathe-Buch auf, aber seine Gedanken wanderten immer wieder zu der Puddingschüssel im Kühlschrank. Ronjas Puddingschüssel!, ermahnte er sich selbst und schrieb ordentlich das Datum in sein Heft. Doch er konnte sich nicht konzentrieren, weil er immer wieder an die Puddingschüssel im Kühlschrank denken musste. Es wird niemandem auffallen, wenn ich ein ganz kleines bisschen probiere, dachte Robin bei sich und schlich in die Küche. Durch das Fenster sah er seine Mutter zwischen den Blumen Unkraut zupfen, als er leise den Kühlschrank öffnete und sich schnell einen kleinen Löffel voll Pudding in den Mund schob. Ganz leise verschloss er Pudding und Kühlschrank wieder und schlich zurück in sein Zimmer.

Robin hatte die erste Aufgabe in seinem Heft gerechnet, als er wieder an den Pudding im Kühlschrank denken musste. Sosehr er auch versuchte, seine Gedanken auf die Hausaufgaben zu richten, konnte er doch den Pudding nicht aus seinem Kopf bekommen. Es ist noch so viel Pudding in der Schüssel. Niemand wird es merken, wenn ich mir noch ein kleines bisschen nehme, beschloss Robin und schlich sich wieder in die Küche. Die Mutter war noch immer im Garten beschäftigt. Schnell schob sich Robin einen Löffel voll Pudding in den Mund und noch einen hinterher, weil er so unglaublich gut schmeckte. Dann setzte er sich wieder an seine Hausaufgaben.

Noch dreimal wiederholte Robin den Gang in die Küche. Als er mit seinen Hausaufgaben fertig war und sich zum allerletzten Mal in die Küche schlich, stellte er fest, dass in der Schüssel kaum noch Pudding vorhanden war. Dann kann ich ihn auch gleich aufessen!, dachte Robin bei sich und verschlang den letzten Rest. Und als die Schüssel jetzt so leer dastand, fiel ihm auf, was er getan hatte. Er hatte den kompletten Pudding seiner Schwester aufgegessen. Ronja würde fürchterlich böse werden, wenn sie heimkam und der Pudding leer war, und auch die Mutter würde fürchterlich mit ihm schimpfen. Was sollte er jetzt tun? Alle wären auf ihn sauer und keiner hätte ihn mehr lieb.

Robin lief hinaus in den Garten, an der Mutter vorbei, zielstrebig auf eine Hecke zu, hinter der er ein Loch im Zaun wusste. Er kroch hinter die Hecke, zwängte sich durch das Loch und lief fort. Immer weiter und weiter den staubigen Weg entlang. Er achtete nicht auf seine Umgebung und lief immer weiter. Außer Atem blieb er irgendwann stehen und schaute sich um. Er stand auf einer kleinen Waldlichtung. Sanft funkelte das Sonnenlicht durch die Blätter, die sich leicht im Wind bewegten. Als Robin sich die Bäume genauer betrachtete, war es ihm, als versteckten sich Gesichter in den knorrigen Stämmen. Auch die Pflanzen sahen eigentümlich aus, wie man sie sich sonst nur im Märchen vorstellte – als ob der Wald lebte.

„Erschrick nicht, mein Junge“, hörte Robin eine Stimme hinter sich. Er drehte sich um und stand vor einer alten Frau, die eine Mischung aus lieber Oma und Kräuterhexe zu sein schien. Ihr graues Haar war zu einem perfekten Dutt zusammengebunden, ihre Hände waren beinahe so knorrig wie die Baumstämme und ihr Rücken buckelte sich, so dass sie beinahe einen halben Kopf kleiner war als Robin. An ihrem Arm baumelte ein Korb, der mit Pilzen und Kräutern gefüllt war.

„Guten Tag!“, sagte Robin. „Wer sind Sie? Und wo bin ich hier?“

„Ich bin Pistazia und dies ist der Wald, in dem ich wohne“, antwortete die alte Frau. Ihre Stimme war sanft und lud Robin ein, Vertrauen zu haben. „Du siehst aufgebracht aus. Möchtest du mir erzählen, was passiert ist? Vielleicht kann ich dir helfen.“ Sie setzte sich auf den größeren von zwei nebeneinanderstehenden Baumstümpfen, die Robin vorher nicht bemerkt hatte, und klopfte auf den kleineren, um Robin zum Sitzen einzuladen. Er setzte sich und erzählte der alten Frau, was vorgefallen war.

„Du liebst also Pudding und könntest dir vorstellen, jeden Tag, tagein, tagaus nur Pudding zu essen“, stellte Pistazia fest, nachdem Robin seine Geschichte beendet hatte.

Robin nickte. „Ich kann nichts dagegen tun. Es ist, als zwinge der Pudding mich, ihn zu essen.“

„Du darfst mit mir kommen, bei mir wohnen und dich jeden Tag mit den köstlichsten Puddings bekochen lassen, wenn du das möchtest. Ich habe mir schon lange jemanden gewünscht, den ich umsorgen darf, doch bin ich nur eine alte Frau und habe niemanden mehr auf der Welt. Wenn du einverstanden bist, bringe ich dich zu mir nach Hause.“

Robins Augen leuchteten. Dies war sein allergrößter Traum und nun war er endlich wahrgeworden. Er erklärte sich einverstanden und gemeinsam gingen sie tiefer in den Wald hinein, bis sie vor einem kleinen Häuschen standen, das aussah wie ein überdimensionierter, unglaublich leckerer Cupcake mit Fenstern und einer Tür. Pistazia öffnete die Tür und bat ihn herein. Auch im Inneren erinnerte alles an Törtchen, Zuckerguss und Marzipan und es lag ein verführerischer Geruch von heißer Schokolade in der Luft, sodass Robin sogleich das Wasser im Mund zusammenlief.

„Geh dir die Hände waschen und setze dich an den Tisch“, forderte Pistazia ihn auf. „Es ist nun Zeit für das Abendessen.“ Und während er tat, was sie ihm aufgetragen hatte, deckte sie den Tisch und stellte eine große Schüssel Karamell-Pudding und dazu eine Tasse mit dampfendem Kakao auf Robins Platz.

„Ist das alles für mich?“, fragte Robin ungläubig, als er die große Schüssel auf seinem Platz sah.

Pistazia lächelte. „Natürlich. Es ist alles für dich. Ich weiß ja, wie sehr du Pudding liebst.“ Sie selbst nahm sich ein Vollkornbrötchen, das sie mit Butter, Tomaten und den Kräutern, die sie im Wald gepflückt hatte, belegte und ließ es sich schmecken.

So blieb Robin zunächst ein paar Tage bei Pistazia, wurde verwöhnt mit Puddings, Kuchen, Törtchen, süßem Brei und heißer Schokolade. Aus ein paar Tagen wurden ein paar Wochen und schließlich ein paar Monate. Robin war nun schon ein halbes Jahr bei Pistazia und noch immer bestand jede Mahlzeit hauptsächlich aus Pudding. Neidisch betrachtete Robin ihre Mahlzeiten, die aus Kartoffeln, Gemüse, Reis, Nudeln und Braten bestanden, aber er traute sich nicht, danach zu fragen, da er ja gesagt hatte, er wolle für den Rest seines Lebens nur noch Pudding essen.

So kam es, dass er eines Tages den Vanille-Pudding, den er früher so sehr geliebt hatte, nach vier Löffeln von sich schob. „Ich bin schon satt“, sagte er. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, noch einen weiteren Löffel Pudding zu essen.

„Aber ich habe den ganzen Pudding für dich gemacht. Es wäre schade, ihn wegzuwerfen. Bitte iss ihn auf.“ Und Pistazias Stimme machte deutlich, dass sie keinen Widerspruch duldete. Gequält nahm Robin den Löffel und zwang sich, den restlichen Pudding zu essen. Als die Schüssel leer war, hatte Robin Bauchschmerzen.

„Bitte, Pistazia, darf ich heute mit dir gemeinsam von den köstlichen Kartoffeln essen statt des Puddings?“, fragte Robin am nächsten Morgen, bevor Pistazia gekocht hatte. Ihm wurde schon schlecht, wenn er nur an Pudding dachte. Ganz entfernt erinnerte er sich daran, dass es eine Zeit gegeben hatte, in der er alles für eine Schüssel Pudding gegeben hätte.

Pistazia bekam schlechte Laune. „Nein. Du hast gesagt, dass du Pudding so sehr liebst, dass du den Rest deines Lebens nur noch Pudding essen möchtest. Ich koche für dich Pudding.“

Und so kochte sie auch weiterhin tagein, tagaus zu jeder Mahlzeit die köstlichsten Puddings für Robin, während Robin sich immer sehnlicher zu seiner Familie zurückwünschte. Und eines Tages, als Pistazia in den Wald gegangen war, lief er aus dem Haus. Er lief immer weiter und immer schneller den Weg zurück, den er vor so langer Zeit hergekommen war. Er lief vorbei an der Lichtung, an der er Pistazia getroffen hatte, den langen, staubigen Waldweg entlang und immer weiter, bis er wieder vor dem Zaun mit dem Loch stand. Er zwängte sich hindurch, kroch an der Hecke vorbei und stand vor seiner Mutter, die noch immer im Garten arbeitete. Er warf sich ihr in die Arme und schluchzte.

„Nanu, Robin, was ist los? Wo kommst du her?“, fragte seine Mutter verwundert und da beichtete er, dass er Ronjas Pudding gegessen hatte und nicht wollte, dass sie auf ihn böse waren.

„Es ist gut, dass du es erzählt hast“, sagte seine Mutter „aber du musst dich trotzdem auch bei Ronja entschuldigen, wenn sie nach Hause kommt.“

Und da stellte Robin überglücklich fest, dass es immer noch der gleiche Tag war, an dem er den Pudding seiner Schwester gegessen hatte und er nicht ein halbes Jahr fortgewesen war. Aber trotzdem hat er seit diesem Tag nie wieder einen Pudding angerührt.

Wie ich zu Hause für Ruhe sorge

Seit ich meinen Arm gebrochen habe, ist es bei uns zu Hause unglaublich zivilisiert und ruhig. Wenn die Kinder aus der Schule kommen, liege ich mit meinem eisgekühlten Arm auf der Couch im Wohnzimmer. Unter meinen Argusaugen haben sie ihre Hausaufgaben anzufertigen und dürfen sich erst anderweitig beschäftigen, wenn die Hausaufgaben gezeigt und für gut befunden wurden. Anschließend wird Kaffee getrunken, (vor-)gelesen (derzeit verfolgen wir die Abenteuer von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer) und gespielt. Die Kinder werden nacheinander geduscht, wir essen zu Abend, dann folgt Zähneputzen, Gute-Nacht-Geschichte, Bett – völlig unspektakulär.

Der reguläre Alltag sieht jedoch anders aus: Nach einer halben Stunde Stau, lande ich kurz vor Schließzeit bei dem Hort. In Windeseile suche ich die Kinder („Ich will noch gar nicht nach Hause!“) und das dazugehörige Equipment zusammen, scheuche alle ins Auto, zum Einkaufen, nach Hause. Neben dem Kochen kontrolliere ich die Hausaufgaben („Oh, die habe ich noch gar nicht gemacht.“). Beim Essen kommen wir ein wenig zur Ruhe, dann folgt Zähneputzen, Gute-Nacht-Geschichte, Bett. Unnötig, zu erwähnen, dass dieses Programm gelegentlich ergänzt wird von Violinen- oder Klavierunterricht, Krav Maga und Fechten.

Traumreisen

Es kommt gar nicht so selten vor, dass es im regulären Alltag laut und chaotisch zugeht. Es kommt gar nicht so selten vor, dass es mir zu laut und chaotisch zugeht, und ich verzweifelt nach dem Stummschalter meiner Kinder suche. Ein ganz tolles Werkzeug, das ich im Laufe der letzten Jahre dafür kennengelernt habe, ist die Entspannungsreise oder Traumreise. Bei der Traumreise werden ruhige, sanfte Bilder aus der Natur in das Kopfkino der Traumreisenden eingebracht. Dazu legen sich alle Kinder auf den Rücken, schließen die Augen und legen die Hände locker neben dem Körper ab. Wahlweise kann zusätzlich eine Duftkerze entzündet oder eine Audiodatei mit leisen Naturgeräuschen abgespielt werden. Die Kinder atmen tief ein und aus und ich beginne mit langsamer, leiser, monotoner Stimme zu erzählen:

Die Pusteblume

Stell dir vor, du liegst auf deiner Wiese. Du spürst unter dir den weichen Erdboden und jeden einzelnen Grashalm, der deine Finger sanft im Wind kitzelt. Du hörst das Gras ganz leise im Wind rascheln. Zwischen all den Grashalmen steht eine Pusteblume. Der lange Stängel schwankt leicht, die silbernen Schirmchen warten darauf, vom Wind fortgetragen zu werden.

Eine Hummel brummt träge vorbei. Sie lässt sich auf einer nahe gelegenen Blume nieder.

Die Vögel, die in den Bäumen sitzen, zwitschern ein fröhliches Lied. Eine Amsel landet neben der Pusteblume. Sie scharrt mit den Krallen im Boden, erblickt einen kleinen Zweig und fliegt mit ihm im Schnabel davon.

Die Pusteblume steht stumm auf der Wiese. Vielleicht hört sie zu, was der Wind ihr leise zuflüstert. Vielleicht träumt sie von den Orten, wo der Wind ihre Schirmchen hintragen wird. Ganz leise und ruhig schaukelt sie sanft im Wind. Sie hat alle Ruhe der Welt. Vielleicht spürst du die Ruhe der Pusteblume.

Ein Windstoß löst zwei, drei Schirmchen aus der silbernen Kugel und trägt sie höher und höher. Sie gleiten über die Wiese immer weiter fort. Noch ein Windstoß – viele, viele Schirmchen segeln über die Wiese. Ein dritter Windstoß und alle Schirmchen fliegen von der Pusteblume gelöst in die Weite der Welt. Sie treiben auseinander. Ein Schirmchen bleibt ein wenig zurück und schaukelt über den Gräsern und Blumen. Es fühlt seine Leichtigkeit im Wind und die Schwere der Welt, die es ein wenig hinabzieht. Vielleicht fühlst du die Schwere im fliegenden Samen.

Da kommt noch ein Windstoß und es geht hoch hinaus in den Himmel. Du siehst über dir das weite Blau, hier und da von wenigen Schäfchenwolken unterbrochen. Unter dir siehst du die Erde. Du gleitest hinab und landest nahe am Zaun sanft auf dem Erdboden zwischen den Gräsern und deinen Lieblingsblumen. Rot, blau, gelb, weiß und lila blüht es um dich herum. Du spürst, wie der Wind sanft an dir reißt. Er will dich wieder forttragen. Du bist aber schon halb in den Boden eingesunken und bleibst auf der Wiese zwischen den bunten Blumen und Gräsern nahe beim Zaun. Ein Sonnenstrahl fällt auf dich und du spürst die Wärme der Sonne, die Wärme der Erde. Hier bleibst du.

Die Kraft in dir regt sich. Noch schlummert sie, wie in einem Traum. Im nächsten Jahr wird hier eine neue Pusteblume stehen. Vielleicht kannst du jetzt schon fühlen, wie sie sich leise im Wind wiegt.

Die Ruhe – fühlst du die Ruhe der Pusteblume in dir?

Die Schwere – fühlst du die Schwere der Pusteblume in dir?

Die Wärme – fühlst du die Wärme der Pusteblume in dir?

Die Kraft – fühlst du die Kraft der Pusteblume in dir?

Traumreise

Es gibt viele Ideen für Traumreisen. Sie alle spielen in der Natur und bei allen haben die Kinder ihre Vorstellung auf die langweiligen, wohlvertrauten Bilder in der Natur zu achten.

Mich begeistert bei den Traumreisen, dass sich jedes meiner Kinder davon einfangen lässt, sei es der siebenjährige Wildfang oder der dreizehnjährige Pubertär. Sie alle brauchen gelegentlich eine Auszeit und sind hinterher wunderbar entspannt und ruhig.

Wenn du zu Hause auch einen oder mehrere Wildfänge hast und die Traumreise als Wunderwaffe gegen Lärm und Chaos einsetzen möchtest, wirst du im Internet neben dem obigen Beispiel viele andere (unterschiedliche) Traumreisen finden. Probiere diesen tollen Lautstärkeregler aus und berichte mir gerne von deinen Erfahrungen.

 

Träum‘ und reise süß!

 

Glaub nicht alles! – Nachtrag zu „Das bisschen Haushalt“

(siehe hier: Das bisschen Haushalt I)

Empört hatte ich die Nachricht meiner Krankenkasse vernommen, dass mir als Vollzeit arbeitende Alleinerziehende keine Haushaltshilfe zustünde, da ich ja auch sonst nie zu Hause wäre. Als ich eine knappe Woche später erneut ins Krankenhaus musste, weil die Voruntersuchung für die zweite OP meines Armes anstand, sprach ich die Ärztin darauf an.

„Auf jeden Fall steht Ihnen eine Haushaltshilfe zu. Ich unterschreibe Ihnen da ALLES!“ Sie brachte mich zu der Schwester, die meine Behandlungsverträge fertigmachte und wies sie an, mir doch bitte beim Ausfüllen der Anträge behilflich zu sein.

„Der Begriff Haushaltshilfe ist irreführend“,

erklärte mir die freundliche Schwester. „Dabei geht es nur um die Kinderbetreuung. Essen kochen, durchsaugen, Fenster putzen wird die alles nicht übernehmen dürfen.“

Mit dem ärztlichen Schreiben im Gepäck und noch mehr Fragezeichen im Kopf machte ich mich direkt auf den Weg zu meiner Krankenkasse. Nach den Untersuchungen im Krankenhaus und vor allem den 5 Stunden Wartezeit schmerzte mein Arm und schrie danach, mich auf die Couch und den Arm auf Eis zu legen. Das sorgte dann wahrscheinlich für ein ausreichend leidendes Aussehen, als ich mit meinem Fixateur externe – oder auch liebevoll Titanarm, Exoskelett oder mein neues Piercing genannt – die Geschäftsstelle der Krankenkasse betrat und mir den ersten freien Mitarbeiter suchte. Plötzlich war alles gar kein Problem mehr. Stirnrunzeln und Unverständnis des Mitarbeiters, als ich von dem Telefonat mit der ersten Auskunft erzählte. Zwanzig Minuten später war mein Antrag bewilligt und ich hatte eine lange Liste mit Pflegediensten, die ich anrufen durfte. Auch zu den Tätigkeiten der Haushaltshilfe bekam ich nun die Aussage, dass sie natürlich da sei, um meinen Haushalt zu führen. Kochen, putzen, Wäsche waschen wären mit meinem Arm ja gar nicht möglich.

 

In meinem ersten Telefonat mit einem Pflegedienst – der einzige Familienpflegedienst auf der Liste – war ich wieder ein wenig schlauer:

  • Die Berliner Pflegedienste seien alle hoffnungslos überlastet (und da die Krankenkassen so wenig zahlen, könne man auch keine neuen Arbeitskräfte finden)
  • Wenn Kinder im Haushalt sind, benötige man unbedingt einen Familienpflegedienst, da diese auf alle Alter spezialisiert seien (+ Kinder ins Bett schmeißen oder zur Schule bringen) und die ambulanten Pflegedienste auf die Bedürfnisse alter Menschen (Einkaufshilfe, Körperpflege) fokussiert seien
  • Die Krankenkasse muss mir nicht nur die Liste zur Verfügung stellen, sondern auch die Haushaltshilfe vermitteln

Nach dreißig Telefonaten (den Stundenlohn von 39,67 € eines Pflegedienstes werde ich wohl nie wieder aus dem Kopf bekommen) und fünf E-Mails hatte ich dann meine persönliche Haushaltshilfe gefunden.

Fazit:

Gib dich nicht zufrieden, wenn dich jemand abwimmeln möchte! Manchmal ist es einfacher, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, aber in jedem Fall solltest du dich erst zufriedengeben, wenn du zufrieden bist.

Wie ich zu meinem Blog kam oder „Das bisschen Haushalt“

Zum Geburtstag bekam ich eine Karte geschenkt, auf der ein Affe mit Laptop und Brille zu sehen war. „Es ist affig, immer nur zu arbeiten – man muss auch feiern können“, lautete die Überschrift.

Diese Karte bringt auf den Punkt, was ich bin: ein Workaholic. Ich liebe meinen Job und quäle mich nicht des Geldes wegen jeden Tag acht Stunden ins Büro (ja, es ist ein positiver Nebeneffekt und motiviert mich natürlich zusätzlich). Mir gefällt meine Tätigkeit; die Fima, für die ich arbeite, hat ein zauberhaftes Produkt, hinter dem ich voll und ganz stehe, und befindet sich derzeit in einer spannenden Phase der Firmenentwicklung. Außerdem bin ich stolz darauf, dass ich als Alleinerziehende von zweieinhalb Kindern meine Rechnungen selbst begleichen kann und nicht auf soziale Unterstützungen angewiesen bin, und dass es auch für Sport, Ausflüge und Reisen reicht.

Ich bestreite gar nicht, dass mein Lebensstil anstrengend ist. Oft schmeiße ich abends mit fast schon geschlossenen Augen die Waschmaschine an, bereite die Schulbrote für den nächsten Tag vor, obwohl ich die Wolke (mein superkuscheliges Bett mit Platz für die ganze Familie) schon deutlich nach mir rufen höre. Manchmal verfluche ich mich dafür oder nehme mir einen Tag frei, um in Ruhe die Wohnung zu putzen, aber im Grunde kann ich mir keinen anderen Lebensstil vorstellen.

Dann kam der Tag, an dem ich mir den Arm brach

Ronja hatte sich gewünscht, nach der Schule auf der Spielstraße hinterm Haus Inlineskaten zu gehen. Ich war begeistert. Ronja bevorzugte meist ruhigere Aktivitäten, meine Skates hatten zuletzt im vergangenen Sommer das Tageslicht gesehen und für Sport in Verbindung mit Mama-Kinder-Zeit bin ich immer zu haben. Also schmissen wir morgens schnell unsere Skates ins Auto, ich nahm mir früher frei und wir fuhren nach der Schule zur Teufelsseechaussee, einer Fahrradstraße im Grunewald. Mich überkamen kurz Zweifel, da ich morgens in der Eile Schützer und Helm vergessen hatte, aber wir wollten ja nur ein bisschen herumrollern.

30 Minuten später lag ich mit mehreren Schürfwunden und einer Welle im rechten Arm auf dem Boden, ärgerte mich über mich selbst und wartete auf den Rettungswagen. Familie und Freunde übernahmen die Betreuung der Kinder, während ich im Krankenhaus lag und eine Arbeitskollegin riet mir:

„Beantrage eine Haushaltshilfe bei deiner Krankenkasse. Die steht dir zu!“

Gesagt, getan. Gemeinsam mit meiner Mutter stöberte ich auf der Internetseite der Barmer GEK, die groß anpries, ihren Mitgliedern sogar über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus zu helfen. Das Standard-Anforderungsformblatt wurde schnell gefunden, aber alleinerziehend mit zweieinhalb Kindern ist selten Standard, also rief ich bei der Tag-und-Nacht-Hotline an. Eine freundliche Dame erklärte mir, ich müsse das Standard-Formblatt ausfüllen, und fragte mich ein paar Daten ab. Als ich auf die Frage nach meinem Arbeitsvolumen mit „Vollzeit“  antwortete, stutzte sie und erklärte mir, dass mir in dem Fall gar keine Haushaltshilfe zustehe, da ich ja auch sonst nicht zu Hause bin. Vor Empörung blieb mir fast die Luft weg: Weil ich normalerweise die Doppelbelastung mit Arbeit und Haushalt auf mich nehme, muss ich das jetzt, da ich beides nicht kann, den Haushalt trotzdem mit links schaffen.

Bekanntermaßen hat man im Krankenhaus viel Zeit zum Nachdenken. Bei mir wurde dieser Umstand dadurch verstärkt, dass ich wegen einer ungünstig gelegenen Schürfwunde zwei Wochen auf die eigentliche OP warten musste. Zwischen Büchern, Gesprächen mit meiner 89jährigen Bettnachbarin, Kreuzworträtseln – meine Kinder bewundern die wunderschöne Handschrift, die ich mir mit links angeeignet habe – und Besuchen meiner Lieben schoss mir immer wieder das Lied „Das bisschen Haushalt„* von Johanna von Koczian durch den Kopf, setzte sich als Ohrwurm fest und brachte mir in Form von Kopfkino die Idee zur Bilderstrecke „Das bisschen Haushalt“.

„Das kann ja nicht sein! Damit muss man an die Presse gehen“, schimpfte meine Arbeitskollegin. „Meine Freundin hat jeden Tag 6 Stunden die Haushaltshilfe. Und die hat sogar nen Mann.“

„Mit einem Mann braucht man manchmal eine Haushaltshilfe“, kommentierte eine kinderlose, verheiratete Freundin auf facebook, wo ich meinem Ärger Luft machte, und kassierte dafür viele Lacher.

„Aber deine Kinder helfen doch bestimmt im Haushalt mit“,

kommentierte eine andere Freundin.

Ich bin niemand, der lange an seinem Ärger festhält. Zum Glück habe ich Familie und Freunde, die mir unter die Arme greifen. Aber vielleicht erreicht meine Bilderstrecke Menschen, die in der Lage sind, Entscheidungen diesbezüglich zu treffen, die mir und anderen Alleinerziehenden in Zukunft helfen können.

Da es an solchen und anderen Kuriositäten im Alltag mit zwei bis drei Kindern nie mangelt, die es durchaus wert sind, weitergetragen zu werden, werde ich hier in den kommenden Monaten regelmäßig Erfahrungsberichte online stellen. Zusätzlich stellen wir unter „Betthupferl“ viele Gute-Nacht-Geschichten meiner Kinder und mir vor.

Viel Spaß auf meiner/unserer zauberhaften Seite!

 

*Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=NoZ050vCa8c