Glaub nicht alles! – Nachtrag zu „Das bisschen Haushalt“

(siehe hier: Das bisschen Haushalt I)

Empört hatte ich die Nachricht meiner Krankenkasse vernommen, dass mir als Vollzeit arbeitende Alleinerziehende keine Haushaltshilfe zustünde, da ich ja auch sonst nie zu Hause wäre. Als ich eine knappe Woche später erneut ins Krankenhaus musste, weil die Voruntersuchung für die zweite OP meines Armes anstand, sprach ich die Ärztin darauf an.

„Auf jeden Fall steht Ihnen eine Haushaltshilfe zu. Ich unterschreibe Ihnen da ALLES!“ Sie brachte mich zu der Schwester, die meine Behandlungsverträge fertigmachte und wies sie an, mir doch bitte beim Ausfüllen der Anträge behilflich zu sein.

„Der Begriff Haushaltshilfe ist irreführend“,

erklärte mir die freundliche Schwester. „Dabei geht es nur um die Kinderbetreuung. Essen kochen, durchsaugen, Fenster putzen wird die alles nicht übernehmen dürfen.“

Mit dem ärztlichen Schreiben im Gepäck und noch mehr Fragezeichen im Kopf machte ich mich direkt auf den Weg zu meiner Krankenkasse. Nach den Untersuchungen im Krankenhaus und vor allem den 5 Stunden Wartezeit schmerzte mein Arm und schrie danach, mich auf die Couch und den Arm auf Eis zu legen. Das sorgte dann wahrscheinlich für ein ausreichend leidendes Aussehen, als ich mit meinem Fixateur externe – oder auch liebevoll Titanarm, Exoskelett oder mein neues Piercing genannt – die Geschäftsstelle der Krankenkasse betrat und mir den ersten freien Mitarbeiter suchte. Plötzlich war alles gar kein Problem mehr. Stirnrunzeln und Unverständnis des Mitarbeiters, als ich von dem Telefonat mit der ersten Auskunft erzählte. Zwanzig Minuten später war mein Antrag bewilligt und ich hatte eine lange Liste mit Pflegediensten, die ich anrufen durfte. Auch zu den Tätigkeiten der Haushaltshilfe bekam ich nun die Aussage, dass sie natürlich da sei, um meinen Haushalt zu führen. Kochen, putzen, Wäsche waschen wären mit meinem Arm ja gar nicht möglich.

 

In meinem ersten Telefonat mit einem Pflegedienst – der einzige Familienpflegedienst auf der Liste – war ich wieder ein wenig schlauer:

  • Die Berliner Pflegedienste seien alle hoffnungslos überlastet (und da die Krankenkassen so wenig zahlen, könne man auch keine neuen Arbeitskräfte finden)
  • Wenn Kinder im Haushalt sind, benötige man unbedingt einen Familienpflegedienst, da diese auf alle Alter spezialisiert seien (+ Kinder ins Bett schmeißen oder zur Schule bringen) und die ambulanten Pflegedienste auf die Bedürfnisse alter Menschen (Einkaufshilfe, Körperpflege) fokussiert seien
  • Die Krankenkasse muss mir nicht nur die Liste zur Verfügung stellen, sondern auch die Haushaltshilfe vermitteln

Nach dreißig Telefonaten (den Stundenlohn von 39,67 € eines Pflegedienstes werde ich wohl nie wieder aus dem Kopf bekommen) und fünf E-Mails hatte ich dann meine persönliche Haushaltshilfe gefunden.

Fazit:

Gib dich nicht zufrieden, wenn dich jemand abwimmeln möchte! Manchmal ist es einfacher, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, aber in jedem Fall solltest du dich erst zufriedengeben, wenn du zufrieden bist.

Als die Sterne vom Himmel fielen

Gute-Nacht-Geschichte

Schnell sammelte Sterntaler die herabgefallenen Sterne in ihr neues Hemd, doch es waren so viele, dass sie nicht alle tragen konnte. Glitzernd und funkelnd bedeckten die Sterne den Waldboden.

Das Kind, dem sie ihr letztes Hemd gegeben hatte, staunte sie mit weit aufgerissenen Augen an. „Du bist eine Zauberin!“, rief es aus.

„Nein“, lächelte Sterntaler. „Aber irgendjemand möchte, dass wir nicht mehr traurig sind und hat uns dafür die Sterne gesandt. Aber nun lass uns zur Ruhe legen. Es ist schon spät.“

Unter einem Baum bereiteten sie sich aus Moos und Gras eine Schlafstätte und sowie ihre Köpfe auf die weichen Kissen sanken, fielen sie in tiefen Schlaf mit wunderbaren Träumen.

Am nächsten Morgen erwachten sie, als die ersten Sonnenstrahlen sie an der Nase kitzelten. Sie reckten und streckten sich ausgiebig, schlugen die Augen auf und erschraken. Eine bunte Ansammlung an Waldtieren hatte sich auf ihrer Lichtung eingefunden. Ein kleiner Hase mit einer Mohrrübe im Schnäuzchen löste sich aus ihrer Mitte und hoppelte auf Sterntaler zu. Er legte die Mohrrübe vor Sterntaler auf dem Waldboden ab und sagte: „Wir möchten dir gerne unseren Dank erweisen, dass du auf das Wohl Anderer achtest. Nun ist es an der Zeit, dass sich auch um dein Wohl gekümmert wird. Bitte nimm unsere Geschenke an.“

Das Häschen hoppelte wieder zurück und verschwand in der Menge. Nun kamen alle Tiere nacheinander und legten ihre Gaben zu der Möhre auf den Waldboden: Das Eichhörnchen brachte Haselnüsse, der Bär ein Töpfchen voll Honig, die Mäusefamilie Körner und Beeren und die Schmetterlinge brachten bunte Blumengirlanden, die sie den Kindern sogleich um die Hälse hängten. Das Reh trat vor Sterntaler, lächelte es sanft mit seinen freundlichen, braunen Augen an und sagte: „Meine Gabe kann ich nicht hierher bringen. Aber bitte folgt mir, dann bringe ich euch zu meinem Geschenk.“

Die zwei Kinder, die sich in der Zwischenzeit von ihren Schlafstätten erhoben hatten, verstauten ihre Taler und die überbrachten Gaben in ihren Hemden und folgten dem Reh immer tiefer in den Wald hinein. Alle Tiere begleiteten sie. Sie liefen vorbei an plätschernden Waldbächen mit kleinen Wasserfällen, über eine kleine, morsche Holzbrücke, einen kleinen Hügel bergauf, eine steile Treppe, die zwischen zwei Felsen tief nach unten führte, hinab, einen geschlängelten Weg entlang, an einem verfallenen Schlösschen und an einer bunt leuchtenden Blumenwiese vorbei, bis sie schließlich vor einem hübschen Häuschen standen und das Reh sagte: „Wir sind da.“ Auf ihrem Weg hatten sie das Kind getroffen, welchem Sterntaler seine Mütze geschenkt hatte, und den alten Mann, dem es sein Stück Brot gegeben hatte, und sie hatten sich der merkwürdigen Wandertruppe angeschlossen. Froh, ihr Ziel erricht zu haben, rieben sie sich ihre schmerzenden Füße.

Mit seiner weichen Schnauze klopfte das Reh dreimal an die sonnengelb gestrichene Holztür und trat einen Schritt zurück. Es dauerte nicht lang, da öffnete eine junge Frau mit Kochschürze und einem Kochlöffel in der Hand die Tür und lächelte verwundert die Besucher an.

„Liebe Frau“, sprach das Reh, „ich weiß, dass ihr euch schon lange vergeblich Kinder wünscht. Diese Kinder, die wir zu euch führten, haben durchweg ein gutes Herz, kümmern sich um das Wohl Anderer und wurden selbst vom Glück verlassen, sodass sie weder Vater noch Mutter haben. Und auch dieser alte Mann hat niemanden mehr auf der Welt. Sie können die Familie sein, die ihr euch schon lange wünscht.“

Glücklich fielen sich alle in die Arme und versprachen einander, von nun an gegenseitig auf sich aufzupassen.

Mit Freudentränen in den Augen trat Sterntaler zu dem Reh, umarmte es und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. „Ich danke dir, lieber Freund“, sagte es. „Dank dir bin ich nun so viel reicher, als es alle Sterne der Welt gemeinsam je vermocht hätten.“

Wie ich zu meinem Blog kam oder „Das bisschen Haushalt“

Zum Geburtstag bekam ich eine Karte geschenkt, auf der ein Affe mit Laptop und Brille zu sehen war. „Es ist affig, immer nur zu arbeiten – man muss auch feiern können“, lautete die Überschrift.

Diese Karte bringt auf den Punkt, was ich bin: ein Workaholic. Ich liebe meinen Job und quäle mich nicht des Geldes wegen jeden Tag acht Stunden ins Büro (ja, es ist ein positiver Nebeneffekt und motiviert mich natürlich zusätzlich). Mir gefällt meine Tätigkeit; die Fima, für die ich arbeite, hat ein zauberhaftes Produkt, hinter dem ich voll und ganz stehe, und befindet sich derzeit in einer spannenden Phase der Firmenentwicklung. Außerdem bin ich stolz darauf, dass ich als Alleinerziehende von zweieinhalb Kindern meine Rechnungen selbst begleichen kann und nicht auf soziale Unterstützungen angewiesen bin, und dass es auch für Sport, Ausflüge und Reisen reicht.

Ich bestreite gar nicht, dass mein Lebensstil anstrengend ist. Oft schmeiße ich abends mit fast schon geschlossenen Augen die Waschmaschine an, bereite die Schulbrote für den nächsten Tag vor, obwohl ich die Wolke (mein superkuscheliges Bett mit Platz für die ganze Familie) schon deutlich nach mir rufen höre. Manchmal verfluche ich mich dafür oder nehme mir einen Tag frei, um in Ruhe die Wohnung zu putzen, aber im Grunde kann ich mir keinen anderen Lebensstil vorstellen.

Dann kam der Tag, an dem ich mir den Arm brach

Ronja hatte sich gewünscht, nach der Schule auf der Spielstraße hinterm Haus Inlineskaten zu gehen. Ich war begeistert. Ronja bevorzugte meist ruhigere Aktivitäten, meine Skates hatten zuletzt im vergangenen Sommer das Tageslicht gesehen und für Sport in Verbindung mit Mama-Kinder-Zeit bin ich immer zu haben. Also schmissen wir morgens schnell unsere Skates ins Auto, ich nahm mir früher frei und wir fuhren nach der Schule zur Teufelsseechaussee, einer Fahrradstraße im Grunewald. Mich überkamen kurz Zweifel, da ich morgens in der Eile Schützer und Helm vergessen hatte, aber wir wollten ja nur ein bisschen herumrollern.

30 Minuten später lag ich mit mehreren Schürfwunden und einer Welle im rechten Arm auf dem Boden, ärgerte mich über mich selbst und wartete auf den Rettungswagen. Familie und Freunde übernahmen die Betreuung der Kinder, während ich im Krankenhaus lag und eine Arbeitskollegin riet mir:

„Beantrage eine Haushaltshilfe bei deiner Krankenkasse. Die steht dir zu!“

Gesagt, getan. Gemeinsam mit meiner Mutter stöberte ich auf der Internetseite der Barmer GEK, die groß anpries, ihren Mitgliedern sogar über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus zu helfen. Das Standard-Anforderungsformblatt wurde schnell gefunden, aber alleinerziehend mit zweieinhalb Kindern ist selten Standard, also rief ich bei der Tag-und-Nacht-Hotline an. Eine freundliche Dame erklärte mir, ich müsse das Standard-Formblatt ausfüllen, und fragte mich ein paar Daten ab. Als ich auf die Frage nach meinem Arbeitsvolumen mit „Vollzeit“  antwortete, stutzte sie und erklärte mir, dass mir in dem Fall gar keine Haushaltshilfe zustehe, da ich ja auch sonst nicht zu Hause bin. Vor Empörung blieb mir fast die Luft weg: Weil ich normalerweise die Doppelbelastung mit Arbeit und Haushalt auf mich nehme, muss ich das jetzt, da ich beides nicht kann, den Haushalt trotzdem mit links schaffen.

Bekanntermaßen hat man im Krankenhaus viel Zeit zum Nachdenken. Bei mir wurde dieser Umstand dadurch verstärkt, dass ich wegen einer ungünstig gelegenen Schürfwunde zwei Wochen auf die eigentliche OP warten musste. Zwischen Büchern, Gesprächen mit meiner 89jährigen Bettnachbarin, Kreuzworträtseln – meine Kinder bewundern die wunderschöne Handschrift, die ich mir mit links angeeignet habe – und Besuchen meiner Lieben schoss mir immer wieder das Lied „Das bisschen Haushalt„* von Johanna von Koczian durch den Kopf, setzte sich als Ohrwurm fest und brachte mir in Form von Kopfkino die Idee zur Bilderstrecke „Das bisschen Haushalt“.

„Das kann ja nicht sein! Damit muss man an die Presse gehen“, schimpfte meine Arbeitskollegin. „Meine Freundin hat jeden Tag 6 Stunden die Haushaltshilfe. Und die hat sogar nen Mann.“

„Mit einem Mann braucht man manchmal eine Haushaltshilfe“, kommentierte eine kinderlose, verheiratete Freundin auf facebook, wo ich meinem Ärger Luft machte, und kassierte dafür viele Lacher.

„Aber deine Kinder helfen doch bestimmt im Haushalt mit“,

kommentierte eine andere Freundin.

Ich bin niemand, der lange an seinem Ärger festhält. Zum Glück habe ich Familie und Freunde, die mir unter die Arme greifen. Aber vielleicht erreicht meine Bilderstrecke Menschen, die in der Lage sind, Entscheidungen diesbezüglich zu treffen, die mir und anderen Alleinerziehenden in Zukunft helfen können.

Da es an solchen und anderen Kuriositäten im Alltag mit zwei bis drei Kindern nie mangelt, die es durchaus wert sind, weitergetragen zu werden, werde ich hier in den kommenden Monaten regelmäßig Erfahrungsberichte online stellen. Zusätzlich stellen wir unter „Betthupferl“ viele Gute-Nacht-Geschichten meiner Kinder und mir vor.

Viel Spaß auf meiner/unserer zauberhaften Seite!

 

*Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=NoZ050vCa8c