Als die Sterne vom Himmel fielen

Schnell sammelte Sterntaler die herabgefallenen Sterne in ihr neues Hemd, doch es waren so viele, dass sie nicht alle tragen konnte. Glitzernd und funkelnd bedeckten die Sterne den Waldboden.

Das Kind, dem sie ihr letztes Hemd gegeben hatte, staunte sie mit weit aufgerissenen Augen an. „Du bist eine Zauberin!“, rief es aus.

„Nein“, lächelte Sterntaler. „Aber irgendjemand möchte, dass wir nicht mehr traurig sind und hat uns dafür die Sterne gesandt. Aber nun lass uns zur Ruhe legen. Es ist schon spät.“

Unter einem Baum bereiteten sie sich aus Moos und Gras eine Schlafstätte und sowie ihre Köpfe auf die weichen Kissen sanken, fielen sie in tiefen Schlaf mit wunderbaren Träumen.

Am nächsten Morgen erwachten sie, als die ersten Sonnenstrahlen sie an der Nase kitzelten. Sie reckten und streckten sich ausgiebig, schlugen die Augen auf und erschraken. Eine bunte Ansammlung an Waldtieren hatte sich auf ihrer Lichtung eingefunden. Ein kleiner Hase mit einer Mohrrübe im Schnäuzchen löste sich aus ihrer Mitte und hoppelte auf Sterntaler zu. Er legte die Mohrrübe vor Sterntaler auf dem Waldboden ab und sagte: „Wir möchten dir gerne unseren Dank erweisen, dass du auf das Wohl Anderer achtest. Nun ist es an der Zeit, dass sich auch um dein Wohl gekümmert wird. Bitte nimm unsere Geschenke an.“

Das Häschen hoppelte wieder zurück und verschwand in der Menge. Nun kamen alle Tiere nacheinander und legten ihre Gaben zu der Möhre auf den Waldboden: Das Eichhörnchen brachte Haselnüsse, der Bär ein Töpfchen voll Honig, die Mäusefamilie Körner und Beeren und die Schmetterlinge brachten bunte Blumengirlanden, die sie den Kindern sogleich um die Hälse hängten. Das Reh trat vor Sterntaler, lächelte es sanft mit seinen freundlichen, braunen Augen an und sagte: „Meine Gabe kann ich nicht hierher bringen. Aber bitte folgt mir, dann bringe ich euch zu meinem Geschenk.“

Die zwei Kinder, die sich in der Zwischenzeit von ihren Schlafstätten erhoben hatten, verstauten ihre Taler und die überbrachten Gaben in ihren Hemden und folgten dem Reh immer tiefer in den Wald hinein. Alle Tiere begleiteten sie. Sie liefen vorbei an plätschernden Waldbächen mit kleinen Wasserfällen, über eine kleine, morsche Holzbrücke, einen kleinen Hügel bergauf, eine steile Treppe, die zwischen zwei Felsen tief nach unten führte, hinab, einen geschlängelten Weg entlang, an einem verfallenen Schlösschen und an einer bunt leuchtenden Blumenwiese vorbei, bis sie schließlich vor einem hübschen Häuschen standen und das Reh sagte: „Wir sind da.“ Auf ihrem Weg hatten sie das Kind getroffen, welchem Sterntaler seine Mütze geschenkt hatte, und den alten Mann, dem es sein Stück Brot gegeben hatte, und sie hatten sich der merkwürdigen Wandertruppe angeschlossen. Froh, ihr Ziel erricht zu haben, rieben sie sich ihre schmerzenden Füße.

Mit seiner weichen Schnauze klopfte das Reh dreimal an die sonnengelb gestrichene Holztür und trat einen Schritt zurück. Es dauerte nicht lang, da öffnete eine junge Frau mit Kochschürze und einem Kochlöffel in der Hand die Tür und lächelte verwundert die Besucher an.

„Liebe Frau“, sprach das Reh, „ich weiß, dass ihr euch schon lange vergeblich Kinder wünscht. Diese Kinder, die wir zu euch führten, haben durchweg ein gutes Herz, kümmern sich um das Wohl Anderer und wurden selbst vom Glück verlassen, sodass sie weder Vater noch Mutter haben. Und auch dieser alte Mann hat niemanden mehr auf der Welt. Sie können die Familie sein, die ihr euch schon lange wünscht.“

Glücklich fielen sich alle in die Arme und versprachen einander, von nun an gegenseitig auf sich aufzupassen.

Mit Freudentränen in den Augen trat Sterntaler zu dem Reh, umarmte es und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. „Ich danke dir, lieber Freund“, sagte es. „Dank dir bin ich nun so viel reicher, als es alle Sterne der Welt gemeinsam je vermocht hätten.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.